Einige Gedanken zum Begriff  "Magie"

Es wird kaum gelingen, den Begriff "Magie" mit der von der Wissenschaft erwarteten Präzision zu definieren. Als Hobby-Magier würde ich heute sagen:
Magie ist das, was bewirkt, dass wir gewisse Dinge mit unseren Sinnen anders aufnehmen, als sie in Wirklichkeit sind.
Wie bei der Musik zeigt sich auch in der Magie ein epochal und kulturell stets ändernder Zeitgeist, was eine höchst interessante Begriffsveränderung zur Folge hatte ! Hier einige Gedanken dazu:
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Wer sie nicht kennte
die Elemente,
Ihre Kraft
und Eigenschaft,
Wäre kein Meister
Ueber die Geister ! Goethe ( Faust I )


DIE MYSTISCHE , SCHWARZE M A G I E

Die Magie oder Zauberei spielt seit uralter Zeit eine grosse Rolle in der Geschichte der menschlichen Irrungen. Ihre Anfänge finden sich bereits im alten Babylonien bei den Chaldäern in deren Geisterglauben, der sog. Dämonologie oder Beschwörungskunst, und in ihren Auguralwissenschaften.
Von letztern seien als die wichtigsten genannt: die Astrologie ( die Lehre, aus der Stellung der Gestirne die Zukunft zu lesen ), die Mantik ( bestehend im Wahrsagen aus dem Fluge der Vögel und nach der Beschaffenheit der Eingeweide der Opfertiere ), die Traumdeutung, die Geomantie ( Weissagung aus geometrischen Figuren ), etc.
Bekannt ist, dass die Juden aus ihrer babylonischen Gefangenschaft eine genaue Kenntnis der chaldäischen Magie mitbrachten, die sich denn auch in ihrer Religion, namentlich am Auftreten des Satans, des bösen Geistes, nachweisen lässt. Auch bei den alten Griechen finden wir den Glauben an Zauberei. Brauchen wir doch nur an den verwandlungsfähigen Meergreis Proteus, und an die Zauberin Kirke der Odyssee zu erinnern. Aus verschiedenen Stellen in Homers Gesängen ersehen wir, dass die Griechen, gleich den Chaldäern, auch die Weissagungskunst aus dem Vogelflug pflegten. Sie übten ausserdem noch eine Kunst, die bei den Chaldäern verboten war, die Nekromantie oder Totenbeschwörung.
Es ist uns historisch verbürgt, dass auch die Römer aus dem Beobachten der Opfertiereingeweide und der Blitze bei wichtigen Staatsangelegenheiten ihre Schlüsse zogen. Daneben besassen sie in den sibyllinischen Büchern ein grosses Werk magischer Art, das zu Rate gezogen wurde, sobald in besonders schwierigen Fällen die Aussprüche der Auguren und Haruspices (Opferzeichendeuter) nicht ausreichten.
Die Magie der Nordländer gelangt in ihren Runen ( nordisch "run" = Geheimnis) und Zaubersprüchen, sowie in ihrem Glauben an Gespenster und an die Gabe des Wahrsagens und Hellsehens zum Ausdruck. Es gibt manche blutige Blätter in den Büchern die über grauenhafte Hexenprozesse Aufschluss geben, genau gleich, wie im Mittelalter der-Aberglaube an Zauberei, an Hexensabbate und an Teufelsbündnisse grassierten.
Es ist nicht verwunderlich, dass damals sowohl das Volk als auch die Kirche eine eigene Magie hatten, die einander an Widersinnigkeit nichts vorzumachen hatten. Erst mit der besseren Kenntnis der Naturgesetze, als die grossen astronomischen und physikalischen Entdeckungen von Galilei, Keppler etc. erfolgten, begann dieser Wahn langsam zu weichen und die mittelalterliche Magie in Verfall zu geraten.
Neben der Zauberei des Volkes lief parallel eine gelehrte Magie, die in den sog. Geheimwissenschaften zur Gestaltung gelangte. Ihr Ursprung und Entstehen sind rätselhaft. Man weiss nur soviel, dass ihre Lehren von Alexandrien aus, dem Mittelpunkte des geistigen Lebens, gegen Ende des Mittelalters über alle Lande verbreitet wurden.
Diese sog. okkulten Wissenschaften bestanden in der Lehre der Kabbala, einer magischen Zeichenschriftdeutung, der ägyptischen Theurgie oder Geisterbannerei, der gelehrten Astrologie (Sterndeutekunst), der Alchemie ( der Kunst, aus unedlen Metallen edle zu machen) und endlich in der okkulten Philosophie.
Bis in die Gegenwart haben sich einzelne Teile der Auguralwissenschaften erhalten, so bei den ZIGEUNERN die Chiromantie oder die Kunst, aus den Linien der Hand das Schicksal zu lesen und aus den Spielkarten die Zukunft vorauszusagen. Es ist allgemein bekannt, wie bei den wilden Völkern die Magie noch heute ein Hauptbestandteil ihrer Religionen ist, wie namentlich bei den amerikanischen INDIANERN die Medizinmänner bestehen, welche sowohl Zauberer als auch Regenmacher, als auch Aerzte und Weissager in einer Person vereinigen.
Ebenso sind in Indien die Fakire und im mohamedanischen Asien die Derwische die Vollführer magischer Handlungen und eigenartiger Gaukeleien, die uns aus den Berichten mancher Reisenden gar seltsam anmuten. Noch im 18. Jahrhundert wurde von vielen Leuten fest an die Wirkung der Wünschelrute, zur Auffindung von unterirdischen Metall- und Wasseradern, an die Möglichkeit der Bereitung eines Lebenselixirs, das vor Krankheiten und Tod bewahre, sowie an die Existenz des Steines der Weisen, des nötigen Urstoffes zur Verwandlung von Quecksilber in Gold, geglaubt. Das alles zeigt uns, wie tief der Hang zum Wunderbaren im Menschen Wurzel fassen kann (Vergleiche das Sektenwesen).
Auch der Spiritismus und moderne Okkultismus sind aus den alten Geheimwissenschaften hervorgegangen. Der erstere hat mehr praktische, der letztere mehr wissenschaftlich-theoretische Gestalt angenommen. Es würde den Rahmen dieser kurzen Darstellung überschreiten, wenn wir alle diese Irrlehren hier analysieren wollten. Es sei nur erwähnt, dass die modernen Medien bei ihren Geistermanifestationen sich meist ähnlicher Tricks bedienen, wie sie der Zauberkünstler bei seinen Experimenten verwendet - nur mit dem gewaltigen Unterschied, dass jene ihre Vorführungen als Taten und Mitteilungen der "Spirits", der Geister, ausgeben, dieser dagegen so ehrlich ist, von vornherein zu erklären, dass alles mit natürlichen Dingen zugehe und er die Anwesenden einzig und allein angenehm zu unterhalten beabsichtige, ganz nach Goethe:
Immer niedlich , immer heiter
immer lieblich, und so weiter
Stets natürlich, aber klug,
nun, das dächt' ich, wär genug !

Die moderne, weisse M A G I E

Haben wir soeben einen kleinen Ueberblick über die alte, mystische Magie gewonnen, so wollen wir uns jetzt in der neueren und neusten Zauberkunst, als einer Quelle geistreicher und origineller Belustigungen, ein wenig umsehen. Nachdem lange Zeit der Charlatanismus namentlich auf Jahrmärkten sein Wesen getrieben hatte, wo selbst die Wunderdoktoren unter allerhand Gaukelei und prompter Anpreisung ihre Pillen und Elixire abzusetzen versuchten, trat Mitte des 18. Jahrhunderts PHILADELPHIA als der erste namhafte Taschenspieler öffentlich auf. Sein richtiger Name war Jakob Meyer. Er nahm aber bald den wohl tönenden Namen seiner Vaterstadt an. Seine Antrittsvorstellung erfolgte in England unter dem stolzen Titel " Künstler der Mathematik". Überhaupt liebte er es sehr, seine einfachen Kunststücke mit prahlerischen Worten anzukündigen. Seine Darbietungen müssen im Vergleich zur gemachten Reklame als äusserst dürftig bezeichnet werden, bestanden sie doch fast ausschliesslich in der Vorführung mittels -Apparaten, wie man sie heute in fast jedem Kinder-Zauberkasten antrifft. Er zeigte also keine sog. "Geschicklichkeitsstücke".
Um das Jahr 1780 bereiste ein Italiener namens PINETTI Frankreich und Deutschland, überall unter grossem Beifall, seine Künste vorführend. Für diese benutzte er tadellos funktionierende mechanische Apparate, von denen der Wunderkoffer erwähnt sei: Eine elegante , hölzerne Truhe, vorgezeigt und mit Schlüssel verschlossen, öffnete sich wieder selbst auf Befehl langsam, um sich auf ein neues Kommando wieder zu schliessen. Dieser wunderbar scheinende Apparat hat nichts Geheimnisvolles mehr an sich, wenn man weiss, dass bei den Scharnieren Spannfedern angebracht waren, die durch einen Gehilfen mittels einer unsichtbaren Seidenschnur aus Entfernung betätigt wurden.
Auch Pinettis Nachfolger , meist Franzosen und Italiener, darunter besonders BOSCO, Torrini, Délion etc. benutzten gut durchdachte, und fein konstruierte Apparate. Aus diesen Zeiten stammen die Pyramiden zur Scheidung von Wein und Wasser, die Würfelkasten, die Büchse zur Verwandlung von Reis und Erbsen in Kaffeebohnen, die magische Kaffeemaschine, um aus Papier trinkbaren Mokka zu bereiten, die Automaten, wie der Seiltänzer, der rauchende pfeifende und blasende Türke, und viele andere unterhaltsame Stücke.
Von neueren Meistern sei auch noch HERRMANN genannt, der sogar in einem Studentenlied genannt wurde, und Ludwig DÖBLER, dessen Kunststücke auch Goethe gefielen, sodass er dem Zauberer den Vers ins Album geschrieben haben soll:
Bedarf's noch ein Diplom besiegelt,
Unmögliches hast Du uns vorgespiegelt !

Noch 2 weitere Koryphäen der Magie seien kurz hervorgehoben, nämlich der ausgezeichnete Prestidigitateur Anderson und der Franzose Robert Houdin, der Reformator und Grossmeister der magischen Kunst.
Anderson an hatte sich vom bescheidenen Gehilfen zum ersten Zauberkünstler Englands emporgearbeitet und in kurzer Zeit seine Lehrer und Vorgesetzten weit hinter sich gelassen.
Robert Houdin war ein genialer Mechaniker und zugleich geistreicher Schriftsteller. Als feingebildeter "Hexenmeister" war er bahnbrechend in der Magie. Alle Welt war entzückt von den Leistungen und dem Wesen dieses unvergleichlichen Künstlers. Wo er auch seine grossartigen "Soirées fantastiques" gab, da erntete er ungeheuren Applaus. Aus den Rezensionen über seine Vorstellungen, die ihm ungeteiltes Lob zollen, können wir uns einen blassen Begriff machen von dem hinreissenden Zauber, den er auf sein Publikum ausübte. Er war und bleibt, um es kurz zu sagen, ein genialer Klassiker der Zauberkunst.
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D E F I N I T I O N der natürlichen Zauberkunst

Es gibt viele Sparten in der modernen Magie. Denken wir nur z.B. an folgende:
optische , physikalische, mechanische, mathematische, chemische Prinzipien, Illusionen, Materiendurchdringung, Komik, Mentalmagie, Austausch, Münzen, Karten, Fingerfertigkeit etc.
Es ist also sehr schwierig, für diese weitläufigen Gebiete und Methoden eine gemeinsam gültige Definition zu geben. Man vergisst bei solchen Definitionen auch allzu schnell, dass der Magier ja unterhalten will.
Im Jahre 1886 schrieb in Weimar ein Magier : Unter Zauberei versteht man die angebliche Kunst, mit Hilfe von Geistern und Beschwörungen und mittels gewisser Gerätschaften, welche übernatürliche Kräfte und Eigenschaften besitzen sollen ( z.B. Zauberstäbe, oder der seinen Besitzer nach Belieben durch die Lüfte tragende Mantel Fausts, oder der immer volle Geldsäckel etc.), menschliche Absichten auf übernatürlichem Wege zu erreichen. Geschah dies nun vermeintlich durch den Beistand guter Geister, so wurde diese Art der Zauberei WEISSE KUNST und Theurgie, sollten aber böse Geister und insbesondere der Teufel mit im Spiele sein, so wurde sie SCHWARZE MAGIE oder Dämonurgie genannt. Auch gebraucht man für alle sogenannte Zauberei die Benennung MAGIE, worunter man ursprünglich nur die geheim gehaltene Weisheit und Geschicklichkeit der Magier und Priester bei den alten Persern verstand. Später aber verstand man unter dem Namen "Magie" morgenländische Wissenschaft, und da die Magier ihr Wissen und Treiben (Alchemie, Sterndeuten, Wahrsagen etc., wie bereits besprochen) ebenfalls geheim hielten, und allerlei zu bewirken und hervorzubringen verstanden, was den Augen des unwissenden Volkes übernatürlich schien, so rührt es wohl daher, dass unter Magie auch bloss Zauberei und Wahrsagerei, und unter Magiern nur Zauberer und Wahrsager, also mehr oder weniger Betrüger, verstanden werden, und der Ausdruck "magisch" gleichbedeutend mit übernatürlich und die Kräfte anderer Menschen übersteigend gebraucht wird.
Dies war ein Abschnitt aus dem Buche von C. Leischner. Sie sehen also, dass die Richtung Hexen/Hexerei, Charlatane etc. bereits von der natürlichen Magie differenziert wird. Man pflegt deshalb auch diejenigen Taschenspieler zu nennen, welche für Geld öffentlich allerhand Kunststücke aus der natürlichen Magie verrichten, Kunststücke, die dem Scheine nach an das Wunderbare, Unmögliche grenzen, und dadurch vielfache und angenehme Unterhaltung gewähren. Im Mittelalter hielt man die Taschenspieler eben noch für Zauberer (Magier, nach dem damaligen Begriff), und viele derselben wurden verbrannt.
Was ist also Magie ? Wer kann dieses Wort nach der heutigen Anschauung genau definieren ? Sicher ist, dass Magie zur Unterhaltungskunst gehört: man will den Mitmenschen in Staunen versetzen, man will ihn zum Lachen bringen, man will ihm Unmögliches irgendwie weise machen, man will ihm etwas zeigen, das er selbst weder machen, noch verstehen kann.
Eine recht interessante, wenn auch sehr weit gefasste Definition, wäre auch:
MAGIE ist das, was bewirkt, dass gewisse Dinge von unseren Sinnen anders wahrgenommen werden, als sie in Wirklichkeit sind.
Lieber Freund, überliegen Sie sich doch einmal diese Worte, oder suchen Sie nach etwas Besserem.......... und Sie werden bestimmt bald erkennen, wie magisch die MAGIE ist !!! Doch schlussendlich sollen Sie sich daran erfreuen, oder, wer weiss, vielleicht einmal andere damit erfreuen - Ihr Brumoli (Hobby-Magier).
Es freut mich natürlich, wenn ich mittels kurzem mail erfahren darf, dass diese Zeilen gelesen wurden:  edi(at)brum.ch


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